Chaos, Kakofonie und die Datenordnung des nächsten Jahrzehnts

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Im gesamten Jahr 2007 hat das US-amerikanische Mobilfunknetz 86 Petabyte an Daten übertragen, heute rauscht das gleiche Volumen an nicht mal einen Tag durch die Leitungen. Und in zehn Jahren? Wir werden nur noch zehn Minuten für einen solchen Datentransfer benötigen, das entspräche einer 52.000-fachen Beschleunigung. Es ist davon auszugehen, dass sich auch die weltweite Entwicklung bei der Datenübertragung in ähnlichen Sphären bewegen wird. Michael Dell nennt die nächsten zehn Jahre deshalb die „Next Data Decade“ und richtet danach auch die Ziele von Dell Technologies 2030 aus.

Dell hat sich immer schon ehrgeizige und auch langfristige Ziele gesetzt. Vor fast zehn Jahren etwa hatten wir 2020 Legacy of Goodausgerufen. Dieser CSR-Plan beruhte auf der Idee, dass Technologie der Treiber menschlichen Fortschritts sein sollte. Diesen wichtigen Gedanken haben wir im Plan für das kommende Jahrzehnt übernommen, das selbstredend völlig anders aussehen wird als heute. Wir wissen, dass wir immens mehr Daten produzieren werden, weil alles mit allem verbunden sein wird. Daten haben allerdings keinen Wert per se, wir müssen sie zum Leben erwecken, etwa für die Industrieautomatisierung, die weiter voranschreiten wird, für selbstfahrende Autos, die das Straßenbild prägen und mit anderen Fahrzeugen, Ampeln und dem Stromnetz kommunizieren werden, für das Gesundheitswesen, das weltweit drastisch verbessert werden muss, für Smart Homes, Smart Cities, Smart Government, für das persönliche Wohlbefinden und im Grunde für alle erdenklichen Lebenslagen.

Nicht nur big data (den Begriff müsste man im neuen Jahrzehnt eigentlich in incredibly enormous data umtaufen), sondern auch tausende, Millionen und vielleicht noch mehr fragmentierter Datenbanken und -speicherplätze werden den Alltag prägen: Isolierte Daten, die nichts anderes als Chaos und Kakofonie erzeugen, wenn sie nicht miteinander verbunden sind. Die Integration all dieser Datensilos in zahllosen Clouds und on-premises ist die gigantische Aufgabe, die auf Unternehmen und die IT-Industrie wartet. Erst dann greifen neue Technologien wie Künstliche Intelligenz und maschinelles Lernen, die in unserer zukünftigen Gesellschaft eine wahrlich fundamentale Rolle einnehmen werden: Schließlich müssen sie eine riesige Anzahl von teils lebenswichtigen Entscheidungen aus dem Datenwirrwarr extrahieren, und zwar in Echtzeit.

Das geht aber nur, wenn auch die Sicherheit der Daten gewährleistet ist: Datenintegrität und Verschlüsselung werden in den nächsten Jahren eine ebenso maßgebliche Rolle spielen. Dabei gibt es erschwerende Faktoren, denken Sie nur an die Entwicklung des Quantencomputers, der zwar die Art und Weise, wie wir IT betreiben, völlig revolutionieren wird; andererseits können Cyberangreifer mit seiner Hilfe so gut wie jede asymmetrische Verschlüsselung in Sekunden knacken. Wir müssen uns also daran machen, wirkungsvolle quantensichere Verfahren zu entwickeln. Das US-amerikanische NIST treibt die Standardisierung der Postquantum-Kryptographie glücklicherweise bereits voran.

Weitere große Aufgaben warten auf uns. Zum Beispiel können wir KI, deren Leistung wir ständig weiterentwickeln, nicht einfach im Sinne einer Blackbox gewähren lassen. Wir müssen dafür sorgen, dass Entscheidungen nachvollziehbar bleiben und Algorithmen transparent sind, notfalls auf gesetzlicher Basis – gar nicht so einfach in einer globalisierten Welt. Wir müssen auch sicherstellen, dass der Mensch im Mittelpunkt jeglicher Entwicklung, also das ethische und Werte-Maß der Dinge in einer volldigitalisierten Gesellschaft bleibt – digitaler Humanismus. Und wir müssen verstärkt unsere Umwelt schonen.

Das alles ist Bestandteil unseres Next-Data-Decade-Plans, in dem wir erstens die Nachhaltigkeit unserer Produkte in den Vordergrund stellen. Wir nennen das Eins-zu-Eins-Recycling: Für jedes Produkt, das ein Kunde kauft, werden wir ein ähnliches Produkt vollständig recyclen beziehungsweise wiederverwenden. Zweitens wollen wir Inklusion fördern, so dass unsere weltweite Belegschaft bis 2030 zu 50 Prozent aus Frauen bestehen wird. Drittens ist unser Ziel, Leben auf breiter Ebene, also für Milliarden Menschen mit Technologie zu verbessern, und viertens wollen wir Ethik und Datenschutz aufrechterhalten.

Wissen wir, ob wir diese Ziele erreichen werden? Haben wir eine Ahnung davon, wie sich die Informationstechnologie, geschweige denn unsere Gesellschaft bis 2030 entwickeln wird? Können wir Stolpersteine antizipieren? Natürlich nicht. Werden wir in der Lage sein, Big Data, KI, Datensicherheit und die technologische Innovation in den nächsten zehn Jahren so in den Griff bekommen, wie wir es uns heute vorstellen? Wir sind jedenfalls optimistisch und tun alles, um den menschlichen Fortschritt mit unserer Technologie, unserem Wissen und unserem Mitgefühl voranzutreiben. Es bleibt spannend in der nächsten Dekade: Stay tuned.

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