Das IoT wird praktisch: vom Projekt zum Geschäftsmodell

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Das Internet der Dinge (Internet of Things – IoT) macht riesige Fortschritte: Dabei stehen wir erst am Anfang der Entwicklung dieser Technologie, die nach meiner Auffassung zum Spannendsten gehört, das die IT in den letzten Jahrzehnten zu bieten hatte. Es ist noch gar nicht absehbar, wo uns IoT noch hinführen wird. Bisher haben die Analysten ihre mitunter großspurig klingenden Prognosen zur Entwicklung des IoT – so wurden beispielsweise 26 Milliarden IoT-Objekte bis 2020 vorhergesagt, andere Beobachter kamen sogar auf 50 Milliarden – jedenfalls noch nicht revidiert. Kürzlich habe ich zur Entwicklung des IoT sogar folgendes gelesen: “In Zukunft wird fast jeder beliebige physikalische Gegenstand in die digitale Welt integriert werden.”

Also da muss ich nun doch widersprechen. Es kann bei IoT nicht um “fast jedes” Objekt gehen, also nicht darum, das technisch Machbare auszureizen. Es muss schon ein sinnvolles Geschäftsmodell dahinterstehen, denn sonst macht die schönste Vernetzung wenig Sinn. Meiner Meinung nach ist eben das in Bezug auf IoT der Ertrag des letzten Jahres: IoT ist aus dem Versuchsstadium herausgewachsen und hat sich in der Welt der Geschäftsmodelle etabliert. Anwender schauen nicht mehr, was mit IoT alles möglich sein könnte, sondern sie setzen IoT ein, um zum einen ihre Prozesse effizienter zu machen und zum anderen ganz neue Prozesse zu ermöglichen. Und dabei geht es sehr konkret darum, Umsatz zu generieren beziehungsweise Kosten einzusparen. IoT wird auf diese Weise mehr und mehr fester Bestandteil zahlreicher Geschäftsmodelle. Dabei haben sich einige bevorzugte Anwendungsbereiche herauskristallisiert – hier eine kurze Tour d’Horizon aus der Welt unserer realisierten IoT-Projekte:

Smart Home gilt vielfach als die Paradedisziplin von IoT, von der intelligenten Heizung über sensorgesteuerte Jalousien bis zum berühmten IoT-Kühlschrank. Das dient der Bequemlichkeit und Sicherheit, ist aber – außer vielleicht für die betreffenden Hersteller – nicht kritisch in dem Sinn, dass es anders künftig nicht mehr gehen wird. Insofern bleibt Smart Home ein Nischenmarkt. Die richtige Musik aber spielt nach meiner Meinung in den gewerblichen Anwendungen.

Industrie und Produktion: Ich will hier nicht schon wieder das altbekannte Aufzugsbeispiel aufgreifen, als gäbe es nicht gerade im industriellen Einsatz eine enorme Fülle spannender Anwendungen. Da verwendet zum Beispiel ein irisches Unternehmen eine IoT-Lösung, um Beton in allen Phasen von der Herstellung bis zur Bereitstellung am Bau lückenlos zu überwachen; man weiß dadurch genau, wann der Beton trocken ist und kann dementsprechend weiterarbeiten; dafür benötigt man keine Schätzung und auch keine Sicherheitspuffer mehr – und das spart viel Zeit und damit Kosten.

Die Landwirtschaft ist ein regelmäßig unterschätzter Bereich der industriellen Produktion. Auch hier hat sich IoT etabliert: eine indische Farm kann mit IoT die Gesundheit und Milchleistung ihrer 6.000 Rinder in Echtzeit kontrollieren. Verbesserte Erträge sind hier die unmittelbaren Ergebnisse.

Handel: Was dem Beton recht ist, kann den Lebensmitteln nur billig sein: eine große britische Supermarktkette mit rund 3.000 Läden stellt mittels IoT sicher, dass die Kühlkette für Tiefkühlprodukte vom Hersteller bis zum Verkauf nicht unterbrochen wird – und dass zugleich die betreffenden Kühlanlagen effizient eingesetzt werden, so dass weder Energie verschwendet wird, noch Lebensmittel verderben.

Energie. Zahlreiche IoT-Anwendungen gibt es bei der Erzeugung alternativer Energien. Ein spanischer Hersteller setzt eine IoT-Lösung ein, um dezentrale Photovoltaik-Anlagen zentral zu überwachen und zu steuern. Das System umfasst auch Wettersensoren, so dass auf örtliche Bedingungen schnell reagiert werden kann.

Die im Gesundheitswesen häufig diskutierten Fitness Tracker sind nur die Spitze eines Eisbergs. Mit IoT-Systemen werden zum Beispiel Herztätigkeit oder Blutzucker von Patienten in ihrem häuslichen Umfeld kontrolliert, so dass die Aufenthaltsdauer im Krankenhaus verkürzt werden kann; die automatische Alarmierung von Notfalldiensten kann dabei lebenswichtig sein. Ein thailändischer Betreiber einer Seniorenresidenz konnte auf diese Weise die Reaktionszeiten im Service um 50 Prozent verkürzen, die Zufriedenheit der Bewohner verbessern und zugleich die Anzahl der Pflegekräfte reduzieren.

In der Smart City spielt IoT eine entscheidende Rolle. Kommunen messen damit Verkehrsströme in Echtzeit und können so sehr schnell auf die Überlastung bestimmter Strecken reagieren. Andere Anwendungen sorgen für eine intelligente Steuerung der Straßenbeleuchtung, wodurch die Kosten für Energie reduziert werden, ohne dass das für die Bürger Einbußen bei Komfort und Sicherheit bedeutet.

Die Anwendungen zeigen auch: Gerade außerhalb der Unternehmen – also “im Feld” – ist IoT oft die einzige Möglichkeit, zeitnah Informationen über die Prozesse zu erhalten und umgekehrt vor Ort sofort Maßnahmen zu treffen, die für die Optimierung dieser Prozesse erforderlich sind. Auch wenn IoT damit fest im produktiven Betrieb steht, ist das Potential dabei noch lange nicht ausgeschöpft. Wir können mit weiteren spannenden Einsatzszenarien rechnen.

Doris Albiez
Senior Vice President and General Manager Dell EMC, Commercial Sales Deutschland

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